Théobald Bacher

Theobald Jakob Justinus Bacher, französisch Théobald Jacques Justin Bacher, ab 1810 Baron de Bacher, auch Reichsbaron von Bacher (* 17. Juni 1748 in Thann, Elsaß; † wohl 1813), war ein französischer Diplomat. In der Zeit von 1777 bis 1812 war er mit verschiedenen diplomatischen und nachrichtendienstlichen Missionen in der Alten Eidgenossenschaft, im Heiligen Römischen Reich und im Rheinbund beauftragt.

Bacher war eines von sechs Kindern des aus Blotzheim gebürtigen Arztes Georg Friedrich Bacher (* 1709) und seiner Frau Sybilla Franziska, geborene Fritz, der Tochter des Thanner Bürgermeisters Andreas Fritz. Im Alter von 14 Jahren trat er in das Bataillon de Colmar ein. Als junger Offizier war er zu Dienstleistungen im Generalstab der im Siebenjährigen Krieg am Niederrhein gegen Preußen operierenden französischen Armee eingesetzt. Mit dem Frieden von 1763 erhielt er sogleich wieder den Abschied vom Militär, wahrscheinlich auf eigenen Antrag hin. Vermutlich hat er anschließend in Straßburg studiert. Um das Jahr 1768 hielt er sich in Berlin auf, um sich militärisch nach preußischem Muster schulen zu lassen. Dort kam er auch mit dem Prinzen Heinrich von Preußen in Kontakt. Nachdem Bacher Berlin wieder verlassen hatte, wurde er in Frankreich zum aspirant d’artillerie et du génie und bald darauf zum Ingénieur-géographe-militaire surnuméraire ernannt. 1771 trat er erneut in das Bataillon de Colmar ein und bekleidete den Rang eines Lieutenants. Zwei Jahre darauf erhielt er eine Beurlaubung, um sich im französischen Außenministerium in Paris auf eine diplomatische Laufbahn vorzubereiten. Beim Straßburger Provinzial-Artillerieregiment erhielt er im Jahr 1777 den Status eines Reserveoffiziers.
Im gleichen Jahr wurde er zur französischen Botschaft in der Schweiz in Solothurn entsandt, um als Sekretär und Dolmetscher bei Vertragsverhandlungen zwischen Schweizer Kantonen und Frankreich zu dienen. Danach übernahm er dort einen ständigen Posten als Gesandtschaftssekretär und Dolmetscher und schied aus dem aktiven Heeresdienst aus. Bis 1791 vertrat er Frankreich auf dem Schweizerischen Landtag zu Frauenfeld, sofern der jeweilige französische Gesandte – Heraclius de Polignac, Jean Gravier de Vergennes und zuletzt Charles Olivier de Vérac – verhindert war. 1791 stieg er als chargé d’affaires zum selbständigen bevollmächtigten Geschäftsträger Frankreichs in der Eidgenossenschaft auf, nachdem sein Vorgänger im Amte sich dienstliche Unregelmäßigkeiten hatte zuschulden kommen lassen. Gleichzeitig wurde er von Ludwig XVI. mit dem St.-Ludwig-Orden geehrt. In den Jahren 1791 bis 1793 wurde Bacher – wohl auch aus Karrieregründen – Schritt für Schritt zu einem Anhänger der Französischen Revolution. 1792 zog Frankreich Bacher von seinem Solothurner Gesandtschaftsposten ab, nachdem wegen seiner Sympathien für die Revolution ein eidgenössischer Ausweisungsbefehl ergangen war. Im Auftrag von François Barthélemy wirkte er anschließend als Agent in Basel, um insbesondere die Neutralität des Kantons Basel im Ersten Koalitionskrieg zu überwachen. Von Basel aus organisierte er ab 1793 einen umfassenden Nachrichtendienst für die Erste Französische Republik. Bachers Agenten- und Spionagenetz erstreckte sich dabei nicht nur über Teile der Schweiz, sondern über den gesamten süddeutschen Raum bis nach Mainz, Frankfurt am Main und Regensburg. Zusammen mit Barthélemy und dem Baseler Stadtschreiber Peter Ochs hatte er dort außerdem maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Friedens von Basel 1795. Auch mit Verhandlungen zum Austausch von Gefangenen war Bacher befasst. So leitete er etwa die Verhandlungen, die dazu führten, dass Marie Thérèse Charlotte de Bourbon, die Tochter des 1793 hingerichteten französischen Königs, zum Austausch gegen französische Gefangene 1795 an den Wiener Hof entlassen wurde. Nachdem Bachers Vorgesetzter Barthélemy am 26. Mai 1797 in das 2. Direktorium gewählt worden war, stieg er selbst wieder zum offiziellen Geschäftsträger Frankreichs in der Schweiz auf. In dieser Stellung erzwang er, dass französische Emigranten, die Frankreich wegen der Revolution verlassen hatten, aus der Schweiz ausgewiesen wurden.
Kurz nach dem Frieden von Campo Formio, am 16. November 1797, wurde Bacher zum chargé d’affaires am Reichstag des Heiligen Römischen Reichs in Regensburg befördert. Dieser Posten, der ihm de jure nur die Stellung eines Privatmanns, de facto aber die Funktion eines offiziellen französischen Gesandten verlieh, sollte Frankreich dazu dienen, einen diplomatischen Kontakt zu den Reichsständen zu halten, mit denen es sich offiziell im Kriegszustand befand. Gleichzeitig steuerte Bacher dort ein geheimdienstliches Netzwerk, das der Französischen Republik – insbesondere ihrem Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, den französischen Gesandten beim Rastatter Kongress, dem französischen Gesandten Jean Baptiste Bernadotte in Wien und den Generälen der französischen Rheinarmee – Informationen über politisch und militärisch relevante Vorgänge lieferte. In Bachers politischer Korrespondenz finden sich frühe Hinweise auf den Gedanken, dass ein Corps Germanique aus einer Konföderation von Reichsständen, jedoch ohne Preußen und Österreich, mit Frankreich in ein Schutzbündnis treten sollte (→ Drittes Deutschland). Die politische Situation spitzte sich für Frankreich – und damit auf für Bacher auf seinem Regensburger Posten – Ende 1798 zu, als sich unter russischer Initiative ein neues Bündnis gegen Frankreich zum Zweiten Koalitionskrieg zu formieren begann. Als sich Bacher in dieser Situation einmischte, die Reichsstände zu beeinflussen begann und offiziell gegen einen Vorstoß Österreichs am Reichstag intervenierte, ließ ihn Erzherzog Karl am 9. März 1799 aus Regensburg ausweisen.
Bacher siedelte auf neutrales hessisches Gebiet nach Hanau über, wo er bis zum Oktober 1800 blieb, unter Geldmangel litt und als Kommissar für den Gefangenenaustausch agierte. Mit dem Ende 1799 erfolgenden Rückzug russischer Truppen nach Russland und militärischen Siegen Frankreichs verbesserte sich die französische Verhandlungsposition in Deutschland zusehends. Wilhelm, der Landgraf von Hessen-Kassel, und andere deutsche Souveräne nahmen verstärkt diplomatischen Kontakt zu Bacher auf. In dieser Situation erteilte ihm das Direktorium die förmliche Erlaubnis, weitere Eröffnungen über Friedensanträge der Reichsstände entgegenzunehmen. Nach dem Frieden von Lunéville, der Bachers Auftrag als Kommissar für den Gefangenenaustausch beendete, reiste er von Frankfurt am Main, wo er ab Oktober 1800 gewohnt hatte, um in einen besseren Kontakt mit den rheinischen Höfen treten zu können, wieder nach Regensburg.
Auf der Reise nach Regensburg, wo er am 20. Mai 1801 seine vormaligen Tätigkeiten einschließlich der Spionage wieder aufnahm, ließ der kurmainzische Minister Franz Joseph von Albini in Aschaffenburg Bacher als Vertreter Napoleons einen Empfang mit militärischen Ehren bereiten. Die herausgehobene Stellung, die Bacher fortan als französischer Geschäftsträger beim Reichstag einnahm, unterstreicht insbesondere das heutige Präsidialpalais, das ihm als repräsentativer Wohnsitz in Regensburg zugewiesen wurde. Bei den am Reichstag anlaufenden Verhandlungen engagierte sich Bacher besonders für die Entschädigung der im Zuge des Friedens von Lunéville depossedierten Reichsfürsten, die vertragsgemäß innerhalb des Reichs zu erfolgen hatte. Diese Verhandlungen mündeten bald in Pläne zur Säkularisation der geistlichen Reichsstände. Mit ihrer Inkraftsetzung durch den Reichsdeputationshauptschluss veränderten diese Pläne die Landkarte und das Machtgefüge des Reiches einschneidend. 1804 erhielt Bacher von Talleyrand das Kreuz der Ehrenlegion zugesandt. Während des Dritten Koalitionskriegs hielt sich Bacher vom 16. Dezember 1805 bis zum 8. Januar 1806 in Wien auf. Seine dortige Mission ist nicht bekannt. Er kehrte nach Regensburg zurück. Am 1. August 1806 überreichte Bacher beim Reichstag jene berühmte französische Note, worin Kaiser Napoleon als Protektor des im Juli gegründeten Rheinbundes verkündete, die Verfassung des Heiligen Römischen Reichs nicht mehr anzuerkennen. Am 11. August ließ der österreichische Außenminister Johann Philipp von Stadion Bacher und den Mitgliedern des Reichstags durch eine Note, die der dortige Gesandte Egid Joseph Karl von Fahnenberg übermittelte, mitteilen, dass Franz II. am 6. August 1806 die Reichskrone niedergelegt habe.
Parallel zu diesen Ereignissen hatte Bacher von Napoleon den Auftrag erhalten, sich gemeinsam mit den Gesandten der Rheinbundstaaten nach Frankfurt am Main zu begeben, wo nach der Rheinbundakte der Sitz der Konföderation der rheinischen Bundesstaaten unter dem Vorsitz ihres Fürstprimas, des vormaligen Reichserzkanzlers Karl Theodor von Dalberg, eingerichtet werden sollte. Bei seiner Versetzung nach Frankfurt am Main erhielt Bacher eine förmliche Beglaubigung Napoleons für seine diplomatische Mission als französischer Geschäftsträger beim Rheinbund. Dieses lose konstruierte Staatenbündnis stellte sich Bacher als fortzuentwickelnden Ansatz einer straffen Zusammenfassung deutscher Staaten unter französischem Protektorat vor, mit einem stehenden Heer, mit einer geschriebenen Verfassung und gemeinsamem Rechtswesen, mit Bundesorganen, etwa einem obersten Bundesgericht sowie einer Bundesversammlung, die den ehemaligen Reichstag ersetzen sollte. Jene Erwartungen wurden allerdings enttäuscht, nicht zuletzt von Napoleon selbst, der keine Anstrengungen in diese Richtung unternahm. Auch sonst wurden Bachers Erwartungen an seine Frankfurter Position kaum erfüllt, denn Napoleon ernannte als diplomatische Vertreter Frankreichs in einzelnen Rheinbundstaaten selbständige Gesandte, die Bacher insoweit funktionslos machten. So beschäftigte sich Bacher zu einem wesentlichen Anteil mit Sonderaufträgen seiner Regierung, etwa der Feststellung und Einziehung der Güter des Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein, als dieser sich 1808 den Zorn des französischen Kaisers zugezogen hatte. Eine weitere Funktion Bachers als Geschäftsträger Frankreichs beim Rheinbund war es, die Aufstellung der in der Rheinbundakte vorgeschriebenen Militärkontingente der Rheinbundstaaten zu überwachen, insbesondere diejenigen der kleineren Staaten. 1809 erhielt er den Auftrag, sich zur Grande Armée nach Österreich zu begeben, um dort als Directeur générale de la Police zu fungieren. In dieser Funktion hatte er die Aufsicht über die Wiener Polizei. Seine Stellung nutzte er im Oktober 1809 dazu, die Akten des Reichshofrats zu beschlagnahmen und nach Paris abtransportieren zu lassen. Ende 1809 kehrte er nach Frankfurt am Main zurück. Auf Bachers Bitte hin, durch Nobilitierung seinen Kollegen im Range gleichgestellt zu werden, ernannte Napoleon ihn am 29. Dezember 1809 zum Baron d’Empire.
Bachers letzte Tätigkeit im politischen Dienst seiner Nation war die eines kaiserlichen Kommissars zur Besitzergreifung des Fürstentums Salm und des Herzogtums Arenberg-Meppen zu Beginn des Jahres 1812, nachdem er im Dezember 1811 bereits das Gebiet des Herzogtums Oldenburg Frankreich einverleibt hatte. Alle diese Staaten des Rheinbundes waren durch Beschluss des französischen Senats widerrechtlich vom Ersten Kaiserreich annektiert worden, um eine bessere Grundlage für die Durchsetzung der gegen Großbritannien errichteten Kontinentalsperre zu erhalten. Als Bacher diese Tätigkeiten verrichtete, war er bereits mit Schreiben vom 6. Dezember 1811 durch Außenminister Talleyrand von seinem Frankfurter Posten abberufen worden. Ein Nachfolger wurde nicht benannt. In der Folgezeit erkrankte Bacher schwer. Dies berichtete ein ehemaliger Kollege Bachers am Hofe des Großherzogtums Frankfurt am 10. November 1813. Nachrichten über seine weiteren Aufenthalte, seine Erkrankung, sein Ableben und den Ort seiner Bestattung existieren nicht, allerdings findet sich ein Bericht, dass er nach der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 19. Oktober 1813 beendet war, starb.

Jessie George Schatz

Jessie George Schatz, Spitzname Bubi, (* 12. August 1954 in Offenbach; † 9. August 1996 in Escambia County, Florida, USA) war ein deutsch-amerikanischer Staff Sergeant in der US-amerikanischen Militärverbindungsmission Neu Fahrland (Potsdam).
Schatz war der Fahrer von Major Arthur Nicholson auf der verhängnisvollen Aufklärungstour am 24. März 1985 in das Gebiet der DDR nach Techentin bei Ludwigslust, Mecklenburg-Vorpommern, bei der Nicholson von einem sowjetischen Wachposten erschossen wurde. Ssgt. Schatz zählte mit mehr als 150 Aufklärungsfahrten in der DDR zu den erfahrensten Mitgliedern der US Military Liaison Mission (USMLM). Nach Nicholsons Tod musste Schatz vor insgesamt sechs US-amerikanischen Untersuchungsausschüssen als Zeuge aussagen. Charles J. Fiala, Stabschef der 7. US-Armee (USAREUR), bezeichnete Schatz als den „berühmtesten Sergeant der US-Army“.
Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR überwachte Schatz zehn Jahre lang auf Schritt und Tritt, platzierte mehrere Inoffizielle Mitarbeiter in seinem Umfeld, ließ private Unterlagen entwenden, las seine Briefe, überwachte den privaten Telefonanschluss und terrorisierte ihn und seine Familie. 1979 und 1986 scheiterten zwei Versuche des sowjetischen Geheimdienstes KGB, Schatz als Agenten anzuwerben.
Schatz war verheiratet und hatte zwei Kinder. Sein Grab befindet sich auf dem Memory Park Cemetery in Milton, Santa Rosa County, Florida.

Liste der Kulturdenkmäler in Einig

In der Liste der Kulturdenkmäler in Einig sind alle Kulturdenkmäler der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Einig aufgeführt. Grundlage ist die Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 13. Februar 2015).

BW

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Acht | Alken | Andernach | Anschau | Arft | Baar | Bassenheim | Bell | Bendorf | Bermel | Boos | Brey | Brodenbach | Burgen | Dieblich | Ditscheid | Einig | Ettringen | Gappenach | Gering | Gierschnach | Hatzenport | Hausten | Herresbach | Hirten | Kalt | Kaltenengers | Kehrig | Kerben | Kettig | Kirchwald | Kobern-Gondorf | Kollig | Kottenheim | Kretz | Kruft | Langenfeld | Langscheid | Lehmen | Lind | Löf | Lonnig | Luxem | Macken | Mayen | Mendig | Mertloch | Monreal | Mülheim-Kärlich | Münk | Münstermaifeld | Nachtsheim | Naunheim | Nickenich | Niederfell | Niederwerth | Nörtershausen | Oberfell | Ochtendung | Pillig | Plaidt | Polch | Reudelsterz | Rhens | Rieden | Rüber | Saffig | Sankt Johann | Sankt Sebastian | Siebenbach | Spay | Thür | Trimbs | Urbar | Urmitz | Vallendar | Virneburg | Volkesfeld | Waldesch | Weiler | Weißenthurm | Weitersburg | Welling | Welschenbach | Wierschem | Winningen | Wolken

Orgel der Simultankirche Bechtolsheim

Die Orgel der Simultankirche Bechtolsheim wurde 1756 von den Brüdern Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm, aus Sulzbach bei Rhaunen, erbaut.
Die 27 klingenden Register sind auf zwei Manuale und ein Pedal verteilt. Das Instrument gehört somit zu den größten Stumm-Orgeln. Der Spieltisch befindet sich auf der linken Seite des Gehäuses, welches sich im Originalzustand befindet. Das Pfeifenwerk besteht aus Holz und Zinn.
Die Orgel wurde bisher dreimal restauriert bzw. umgebaut: 1765/1767 erfolgten Reparaturen durch die Werkstatt Stumm, 1899 ein Umbau durch Heinrich Bechstein (Groß-Umstadt) und 1977 eine Restaurierung durch Gebr. Oberlinger (Windesheim).

Die Brüder Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm aus Sulzbach bei Rhaunen erhielten am 30. Dezember 1752 den Auftrag für einen Orgelneubau. Sie stellten die Orgel 1756 für 900 Reichsgulden fertig. Sie ist eine der größten Orgeln aus der Werkstatt Stumm. Der siebenachsige Prospekt des Hauptwerks (Oberwerk) wird durch zwei hohe Rundtürme geprägt, an die sich an beiden Seiten schmale harfenförmige Flachfelder anschmiegen. Zentral steht ein niedriger Rundturm. Ihm entspricht in der Mitte des fünfachsigen Unterpositivs ein überhöhter Rundturm. Die flankierenden Harfenfelder fallen seitlich ab und gehen in schmale Ecktürme über.
Die Orgel wurde bisher viermal restauriert bzw. umgebaut:
1765/1767 erfolgten Reparaturen durch die Werkstatt Stumm, dabei wurden auch die zersprungenen Bälge überholt.
Heinrich Bechstein aus Groß-Umstadt baute 1899 auf Wunsch des damaligen Organisten die Orgel um und änderte die Disposition. Das Unterpositiv wurde dem Zeitgeschmack entsprechend leiser gemacht, indem laute Register entfernt oder durch andere ersetzt wurden. Die Orgel erhielt neue Manualklaviaturen, die Pedalklaviatur blieb erhalten, ebenso die Windladen. Das Register Viola da Gamba 8′, Vox angelica 2′ Bass, Terz 1 3/5′ gingen verloren. Änderungen der Mixtur im Hauptwerk zur „Kornett-Mixtur“ im Unterwerk waren die Änderungen noch gravierender: Mixtur, Quinte, Vox humana und Krummhorn wurden entfernt. Anstelle der Salicional 2′–4′ wurde eine Salicional 8′ eingefügt.
Zwischen 1976 und 1977 folgte eine Restaurierung durch Gebr. Oberlinger aus Windesheim, die die ursprüngliche Disposition wiederherstellten. Der Pedalumfang wurde von C–d0 um eine Oktave auf C–d1 erweitert und um neue Pfeifen ergänzt. Die Manualklaviaturen wurden nach dem Vorbild der Stumm-Orgel in Bärstadt erneuert. Um den Spieltisch vor Verschmutzung und unberechtigtem Zugriff zu schützen wurde 1984 von einem Ortsansässigen Schreinermeister eine verschließbare Abdeckung angebracht.
Regelmäßig Konzerte und weitere Veranstaltungen fanden ab 2013 statt um die Finanzierung von geschätzten 100.000 Euro zu unterstützen. Seit Mitte September 2014 wird die Stumm-Orgel durch Förster & Nicolaus gereinigt und saniert.
Heute sind noch bis zu Dreiviertel des ursprünglichen Materials vorhanden. Die Prospektpfeifen sind noch im Originalzustand erhalten. Nur die Register Gamba, Mixtur (teilweise) und Vox angelica im Hauptwerk sowie Flaut travers, Solicional, Quint, Mixtur, Krummhorn und Vox humana im Unterwerk wurden 1977 erneuert. Die Bälge bestehen aus einem Magazinbalg von Bechstein. Die Disposition lautet:
In den Anfangsjahren gehörten zu den Organisten an der Stumm-Orgel zu Bechtolsheim die Lehrer der beiden benachbarten Schulhäuser. „Bald nach der Einweihung beschloss der Kirchenrat 1757, dass auch die Lehrer (zu deren Amt der Organistendienst gehörte) die Orgel außerhalb der Gottesdienste nicht spielen dürften, um das neue Werk nicht zu schädigen.“
Seit 1989 ist Thomas Renner der feste Kirchenmusiker und Organist der Evangelischen Kirchengemeinde. Per 2007 waren Franz-Josef Schäfer und Johannes Witting die Organisten, beide auch für die Kirchen in Gau-Odernheim und Biebelnheim (Mariä Himmelfahrt) zuständig.

Sergio Livingstone

Sergio „Sapito“ Livingstone im Nationaltrikot (1943)
Sergio Roberto „Sapo“ Livingstone Pohlhammer (* 26. März 1920 in Santiago de Chile; † 11. September 2012 ebenda) war ein chilenischer Fußballtorwart, der sich nach seiner Fußballkarriere als Journalist etablierte. Auf Vereinsebene hatte er in den 1940er und 1950er Jahren Erfolge mit CD Universidad Católica in seiner Heimatstadt. Mit der Nationalmannschaft Chiles nahm er unter anderem an der Fußball-Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien sowie an sechs Südamerikameisterschaften teil und ist bis heute der Rekordspieler des Wettbewerbes. Er gilt als der erste große Fußballstar seines Landes.
Sergio Livingstone wurde 1920 als Sohn einer schottischen Einwandererfamilie geboren. Sein Vater John Livingstone gilt als einer der Pioniere des Fußballsports in Chile, sogar als der Erste, der einen Fußball ins Land brachte. Er spielte beim Santiago National FC.
Als Jugendlicher schloss sich Sergio Livingstone ursprünglich Unión Española an, kam dort aber kaum zum Spiel. Schließlich gab Livingstone den Fußball erst einmal auf, um an der Pontificia Universidad Católica de Chile Recht zu studieren. Dort kam er bald in Kontakt mit deren Fußballmannschaft und etablierte sich ab 1938 zwischen den Pfosten der Kampfmannschaft des CD Universidad Católica in Santiago de Chile.
Im Februar 1941 debütierte er noch als 20-Jähriger in der chilenischen Nationalmannschaft bei der in Chile ausgetragenen Südamerikanischen Fußballmeisterschaft und gewann mit ihr deren Auftaktspiel gegen Ecuador mit 5:0. Chile wurde am Ende Dritter und Livingstone wurde zum besten Torwart des Turniers gewählt.
1943 wechselte er für die beachtliche Ablösesumme von 280.000 Pesos (damals etwa 24.000 US-Dollar) zum argentinischen Spitzenverein Racing Club in Avellaneda, einem industriellen Vorort der Hauptstadt Buenos Aires. Nach 30 Spielen für Racing kehrte er aber nach nur einem Jahr aus Sentimentalität zu Católica zurück.
Sergio Livingstone, oft auch El Sapo, „der Frosch“, genannt, gewann mit Universidad Católica in den Jahren 1949 und 1954 zwei Mal den chilenischen Meistertitel. 1955 gelang dem Universitätsklub dabei das Missgeschick, umgehend im Jahr nach der Meisterschaft abzusteigen, stieg aber postwendend wieder auf.
1957 wurde er für eine Saison zum Ortskonkurrenten CSD Colo-Colo ausgeliehen. Nach seiner Rückkehr zu Universidad Católica beendete er dort 1959 im Alter von 39 Jahren seine Laufbahn.
Bis 1954 hütete Livingstone insgesamt 52 Mal das Tor der Nationalmannschaft, womit er bis 1963 Rekordnationalspieler Chiles war, und nahm mit ihr bis 1953 an fünf weiteren Südamerikameisterschaften teil. 1945, ebenso in Chile, erreichte Chile dabei erneut einen dritten Rang. Insgesamt spielte er 34 Mal in der Südamerikameisterschaft, was bis heute Rekord ist. Ein weiterer Karrierehöhepunkt war die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien, wo Livingstone bei allen drei Spielen, sowohl bei den beiden 0:2-Niederlagen gegen England und Spanien, als auch beim 5:2-Sieg gegen die USA, hinter sich greifen musste.
Nach Ende seiner aktiven Sportler-Karriere entwickelte sich Livingstone zu einem bedeutenden Sportjournalisten und arbeitete als Kommentator in Rundfunk und Fernsehen. Ab 1969 war er bei Televisión Nacional beschäftigt und wurde dort zur emblematischen Figur des Programms Zoom Deportivo, das von 1985 bis zu seiner Einstellung im Dezember 2011 für viele Chilenen den sonntäglichen Mittag definierte.
Im Jahre 2009 wurde eine Straße im Bezirk Independencia von Santiago nach Sergio Livingstone benannt.
Am 11. September 2012 verstarb Livingstone im Alter von 92 Jahren in Santiago de Chile.

Julia da Silva-Bruhns

Julia da Silva-Bruhns verheiratete Mann, genannt Dodo (* 14. August 1851 in Paraty, Brasilien; † 11. März 1923 in Weßling) war die Ehefrau des Lübecker Senators und Kaufmanns Thomas Johann Heinrich Mann und die Mutter der beiden Schriftsteller Thomas Mann und Heinrich Mann.

Julia Mann war eine Tochter des 1837 nach Brasilien ausgewanderten Lübecker Farmers Johann Ludwig Hermann Bruhns (1821–1893) und der Brasilianerin Maria Luísa da Silva († 1856), Tochter eines Großgrundbesitzers portugiesischer Herkunft. Sie hatte mehrere Geschwister.
Ihr Vater besaß einige Zuckerrohrplantagen zwischen Santos und Rio de Janeiro. Sie wurde in der Villa Boa Vista in Paraty geboren und verbrachte hier die ersten Jahre ihres Lebens in wohlhabenden Verhältnissen. Ihre Mutter starb, als Julia da Silva-Bruhns fünf Jahre alt war, bei der Geburt ihres sechsten Kindes. Ein Jahr nach dem Tod der Mutter entschied ihr Vater, seine Kinder zurück nach Deutschland zu schicken. Julia sprach zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort Deutsch. Bis sie vierzehn Jahre alt war, lebte sie in einem Internat in Lübeck unter der Leitung von Therese Bousset. Ihr Vater kümmerte sich währenddessen in Brasilien um die Plantagen und versorgte sie finanziell.
1869 heiratete sie den elf Jahre älteren späteren Senator Thomas Johann Heinrich Mann (1840–1891). Zusammen hatten sie fünf Kinder Heinrich (1871–1950), Thomas (1875–1955), Julia „Lula“ (1877–1927), Carla (1881–1910) und Viktor (1890–1949).
Julia Manns Ehemann starb 1891 an Blasenkrebs. Seine Firma wurde aufgrund seiner testamentarischen Verfügung aufgelöst und das Wohnhaus verkauft, denn er schätzte seine Söhne für die Weiterführung des Unternehmens als nicht geeignet ein. Die Erlöse wurden durch den Testamentsvollstrecker Krafft Tesdorpf angelegt. Julia Mann lebte nach dem Tod ihres Mannes vor den Toren Lübecks in einem Sommerhaus in der Roeckstraße und zog 1893 mit ihren Kindern nach München, später mit dem jüngstgeborenen Viktor weiter nach Augsburg in die Nibelungenstraße. Dort lebte sie von 1903 bis 1906 von den Zinserträgen, woraus auch Heinrich und Thomas Mann eine geringe Rente erhielten.
„Sie war von einem ausgesprochen romantischen Typus, in ihrer Jugend eine vielbewunderte Schönheit und außerordentlich musikalisch. Frage ich mich nach der erblichen Herkunft meiner Anlagen, […] und feststellen, daß auch ich des Lebens ernstes Führen vom Vater, die Frohnatur aber, das ist die künstlerisch sinnliche Richtung und – im weitesten Sinne des Wortes – die Lust zu fabulieren, von der Mutter habe.“ beschrieb Thomas Mann sie 1936.
Julia Mann schrieb 1903 ihre Erinnerungen an ihre Kindheit in Brasilien bis zur Verheiratung in Lübeck für private Zwecke nieder. Viktor Mann bereitete die Veröffentlichung vor, jedoch erschienen sie unter dem Titel Aus Dodos Kindheit erst 1958.
Ihre bekannten Söhne Heinrich und Thomas Mann haben zahlreiche Romanfiguren geschaffen, die von ihr inspiriert wurden. In Buddenbrooks-Verfall einer Familie war sie die Vorlage für Gerda Arnoldsen. Im Doktor Faustus basiert die Figur Frau Senatorin Rodde, im Tod in Venedig die Mutter des Protagonisten von Aschenbach und in Tonio Kröger die der Mutter Consuelo auf ihrer Person. In Willen zum Glück spielt ihre exotische Herkunft hinein.
Julia Mann wechselte im Alter häufig den Wohnsitz. Die Inflation hatte das hinterlassene Vermögen aufgezehrt, und sie musste sich immer preiswertere Unterkünfte suchen. Die angebotene Unterstützung ihrer Söhne nahm sie aus Stolz nicht an. Sie starb 71-jährig in einem Hotelzimmer in einem Dorf südlich von München im Kreise ihrer Familie und wurde neben ihrer Tochter Carla Mann beigesetzt, die sich bereits 1910 das Leben genommen hatte.
Ihr Urenkel Frido Mann setzt sich mit dem brasilianischen Erbe seiner Urgroßmutter auseinander. So gründete er den Verein Casa Mann, der in ihrem noch erhaltenen Geburtshaus, der Villa Boa Vista in Paraty, ein eurobrasilianisches Kulturzentrum errichten will.

Democratic Left (Irland)

Die Democratic Left (irisch Daonlathas Clé) war eine sozialistische Partei, die sowohl in der Republik Irland als auch in Nordirland aktiv war. Sie entstand als Gruppierung nach Abspaltung von der Workers‘ Party.
Die Ursprünge der Workers‘ Party gehen zurück auf die Spaltung der traditionellen IRA am Ende der 1960er Jahre. Der eher traditionell nationalistische Teil gründete die Provisional IRA, der ideologisch links orientierte Teil der Bewegung etablierte die Official IRA, und mit ihr als politischem Flügel die Partei Official Sinn Féin. Nach mehreren Umbenennungen entstand daraus die Workers‘ Party. Im Gegensatz zu Sinn Féin sah sich die WP nicht als Interessenvertreter der katholischen Bevölkerung allein, sondern als Partei aller Arbeiter Irlands, gleichgültig welcher Konfession.
Im Jahre 1992 kam es zu Auseinandersetzungen innerhalb der Organisation. Viele ihrer Mitglieder gehörten nach wie vor der Official IRA an, welche im militärischen Sinne seit den 1970er Jahren inaktiv, jedoch fortwährend in kriminelle Aktivitäten verwickelt war. Dies wurde zur permanenten Belastung für die Partei. Die Parteispitze, vor allem ihr Vorsitzender Proinsias De Rossa, versuchte die Statuten der Partei insoweit zu verändern, dass mutmaßliche Mitglieder der OIRA aus Partei ausgeschlossen werden könnten. Auch sollten ihre marxistischen Strukturen angesichts der post-kommunistischen Ära reformiert werden. Der Versuch scheiterte, eine Zwei-Drittel-Mehrheit dafür wurde nicht erzielt. Daraufhin traten viele Führungspersönlichkeiten aus, einschließlich 6 ihrer 7 Mitglieder des Dáil Éireann. Sie gründeten eine neue Partei, die Democratic Left. Zu ihrem neuen Vorsitzenden wurde de Rossa gewählt.
Der Wahlerfolg bei den Parlamentswahlen 1992 war mit 2,8 % gering. Als jedoch 1994 die Koalition aus Fianna Fáil und Labour Party scheiterte, kam es zu einer neuen Regierungskoalition aus den Parteien Fine Gael, Labour Party und der Democratic Left. Proinsias de Rossa wurde Minister für Soziales. Auf ihn geht Irlands erste Initiative zur Beseitigung der Armut zurück.
Bei den Wahlen 1997 verlor die Partei 2 ihrer 6 Sitze im Parlament, daraufhin schloss sich die Partei 1999 der Labour Party an.

Gleichnis vom Licht unter dem Scheffel

Das von Jesus von Nazaret erzählte Gleichnis vom Licht unter dem Scheffel oder auch Vom rechten Hören hat als Thema, den eigenen christlichen Glauben zu zeigen und ihn nicht vor anderen zu verstecken. Es wird in den Evangelien im Neuen Testament der Bibel durch das Evangelium nach Matthäus (Mt 5,14-15 EU), das Evangelium nach Markus (Mk 4,21-25 EU) sowie durch das Evangelium nach Lukas (Lk 8,16-18 EU) überliefert.

Jesus spricht das Gleichnis zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass sie das Licht der Welt seien. Sie sollten ihr Licht vor den Leuten leuchten lassen, damit diese ihre guten Werke sähen und den himmlischen Vater priesen. Denn ein Licht zünde man schließlich nicht an, um es unter einen Scheffel zu stellen, sondern auf einen Leuchter, damit es allen Menschen im Haus leuchte.
Mit dem Scheffel ist ein zu biblischen Zeiten gebräuchliches Hohlmaß und damit ein Gefäß einer bestimmten Größe gemeint. Dieses Gefäß würde das Licht verdecken oder sogar ersticken. Das Licht steht dabei für den eigenen Glauben. Die Bewohner des Hauses stehen für die Menschen der Welt. Lässt man sein Licht also scheinen, bezeugt man seinen Glauben vor anderen und lässt sie so auch Zugang zu den christlichen Lehren haben. Jesus rät also sozusagen von falscher Bescheidenheit bezüglich des eigenen Glaubensbekenntnisses ab.
Eine verkürzte Version des Gleichnisses findet sich im apokryphen Thomasevangelium in Logion 33.
Die deutsche Redewendung „sein Licht unter den Scheffel stellen“ leitet sich von diesem Gleichnis ab und bedeutet, seine Fähigkeiten nicht einzusetzen, sie sogar zu verbergen.
Eine unerwartete Rezeption erfuhr das Gleichnis durch die Kritiker der Lutherbibel in der Revision von 1975, die sich ihrer Ansicht nach zugunsten einer moderneren Sprache zu sehr von gewohnten Begriffen abwandte. Der Scheffel wurde hier durch „Eimer“ ersetzt, was der Revision den Spottnamen „Eimertestament“ einbrachte. Dies führte dazu, dass das Neue Testament in dieser Fassung nicht gedruckt und erneut überarbeitet wurde.
Gleichnisse in den synoptischen Evangelien: Gleichnisse im engeren Sinn: Großes Abendmahl | Arbeiter im Weinberg | Bittender Freund | Blindensturz | Ehrenplätze bei der Hochzeit | Feigenbaum | Feigenbaum ohne Früchte | Fischnetz | Haus auf Felsen und auf Sand gebaut | Herr und Knecht | Kluge und törichte Jungfrauen | Kostbare Perle | Licht unter dem Scheffel | Nadelöhr und Kamel | Neue Flicken auf dem alten Kleid | Neuer Wein in alten Schläuchen | Selbstwachsende Saat | Schatz im Acker | Pharisäer und Zöllner | Reicher Kornbauer | Anvertraute Talente | Zwei Schuldner | Ungleiche Söhne | Ungerechter Richter | Ungerechter Haushalter | Unkraut unter dem Weizen | Böse Weingärtner | Sauerteig | Schalksknecht | Senfkorn | Turmbau und Kriegführen | Verlorener Groschen | Verlorenes Schaf | Verlorener Sohn | Vierfaches Ackerfeld | Wachsame Knechte Weitere Bildreden und Beispielerzählungen: Barmherziger Samariter | Henne und Küken | Reicher Mann und armer Lazarus | Salz der Erde | Weltgericht
Bildreden bei Johannes: „Ich bin“-Worte: Ich bin das Brot des Lebens | Ich bin das Licht der Welt | Ich bin die Tür | Ich bin der gute Hirte | Ich bin die Auferstehung und das Leben | Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben | Ich bin der wahre Weinstock Weitere Bildreden: Vom Weizenkorn | Die gebärende Frau

Ballstraße 48 (Quedlinburg)

Das Haus Ballstraße 48 ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in der Stadt Quedlinburg in Sachsen-Anhalt.

Es befindet sich im östlichen Teil der historischen Quedlinburger Neustadt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nördlich grenzt das gleichfalls denkmalgeschützte Haus Ballstraße 47 an.
Das dreigeschossige Fachwerkhaus entstand nach einer Inschrift an der Stockschwelle im Jahr 1700 durch den Baumeister L.Z.M. Im Quedlinburger Denkmalverzeichnis ist das Haus als Wohnhaus eingetragen. Es überragt die angrenzenden nur zweigeschossigen Gebäude.
Die Fachwerkfassade ist mit abgefaster Schwelle, Pyramidenbalkenköpfen und Füllhölzern mit Längsprofil.
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51.78772311.151024Koordinaten: 51° 47′ 16″ N, 11° 9′ 4″ O

Haarscheinrüssler

Mycterus curculioides
Die Haarscheinrüssler (Mycteridae) sind eine Familie der Käfer.

Die Käfer sind langgestreckt mit langovalem bis schmal parallelseitigem Körperumriss und meist etwas abgeplattet. Sie erreichen knapp 3 bis etwa 9 Millimeter Körperlänge. Der Körper ist meist dicht behaart mit feinen, etwas abstehenden Haarborsten. Der Kopf trägt kurze, bis mäßig lange, Antennen, deren distale (äußere) Glieder vergrößert sind, bei einigen Gattungen sind sie beim Männchen geschlechtsspezifisch abgewandelt, zum Beispiel gekämmt. Die Maxillarpalpen besitzen ein beilförmiges bis messerförmiges Endglied. Der Kopf besitzt meist ovalen Umriss mit hinter den Augen verengten Schläfen. Nur bei der Gattung Mycterus ist er schnauzen- oder rüsselförmig verlängert, worauf der deutsche Name Bezug nimmt. Der Halsschild ist quadratisch bis herzförmig, bei Mycterus glockenförmig von der Basis nach vorn verengt. Die Elytren sind meist schmal und parallelseitig, bei einigen Gattungen seitlich oval erweitert. Die Tarsen der Beinpaare besitzen verschiedene Gliederzahlen, vorn und in der Mitte fünf, an den Hinterbeinen vier Glieder (Tarsenformel 5-5-4), wie typisch für die Tenebrionoidea (deshalb früher Heteromera genannt). Das vorletzte Tarsenglied aller Beinpaare ist etwas verbreitert und auf der Unterseite dicht behaart.
Die Larven sind, soweit bekannt, langgestreckt parallelseitig und merklich abgeplattet, sie erreichen etwa 5 bis 30 Millimeter Körperlänge. Sie sind mit Ausnahme der Kopfkapsel und des neunten Tergiten schwach sklerotisiert. Der Kopf ist nach vorn vorgestreckt (prognath), breit und flach, mit 2 oder 5 Larvenaugen (Stemmata). Die Antennen sind dreigliedrig, das Labrum frei. Die symmetrischen Mandibeln sind zwei- oder dreispitzig ohne Kaulade (Mola) und beweglichen Anhang (Prostheca). Der Rumpfabschnitt trägt drei kurze, fünfgliedrige Beinpaare, er ist schmaler als der Hinterleib. Das neunte Hinterleibssegment bildet eine stark sklerotisierte Platte mit zwei Fortsätzen (Urogomphi) und meist ein bis vier kleinen Zähnchen oder Fortsätzen zwischen diesen am Hinterrand. Das neunte Sternum ist tief u-förmig ausgeschnitten und umgibt das zehnte Segment.
Die Familie ist beinahe weltweit verbreitet mit Verbreitungsschwerpunkt in subtropischen bis tropischen Breiten. Die Gattung Mycterus besitzt eine weite Verbreitung mit Schwerpunkt in den temperaten (gemäßigten) Breiten beider Hemisphären, nur sie kommt auch in Mitteleuropa vor. Man findet man vor allem an trockenwarmen Hanglagen als Blütenbesucher bei Disteln.
Die Lebensweise, insbesondere der tropischen Arten ist meist unzureichend bekannt. Die adulten Käfer sind, soweit Nahrungsaufnahme bekannt ist, Blütenbesucher. Die Larven der Hemipeplinae scheinen sämtlich an einkeimblättrige Pflanzen gebunden zu sein, meist an Palmen. Die stark abgeplatteten Larven leben hier zwischen den noch nicht geöffneten, jungen Blattwedeln. Sie ernähren sich aber offensichtlich nicht von pflanzlicher Substanz, sondern fressen hier wachsende Pilzhyphen. Die Larven der Mycterinae und Eurypinae sind von abgestorbenem Totholz bekannt, wo sie meist zwischen Holz und Rinde leben, einige Eurypinae sind, wie Hemipeplinae, an der Blattbasis oder zwischen jungen Blattwedeln von Palmen gefunden worden. Sie sind vermutlich ebenfalls Pilzfresser (mycetophag).
Die Familie umfasst weltweit etwa 160 beschriebene Arten in 30 Gattungen, es sind aber zahlreiche noch unbeschriebene Arten bekannt. Sie wird in drei Unterfamilien gegliedert:
In Europa ist die Familie der Haarscheinrüssler nur mit der Gattung Mycterus und drei Arten vertreten, in Mitteleuropa kommen nur zwei Arten vor.
Die Mycteridae gehören in die „Salpingiden-Gruppe“ der Überfamilie Tenebrionoidea. Früher wurden sie gemeinsam mit den Scheinrüsslern (Salpingidae) in die Familie der Drachenkäfer (Pythidae) eingeordnet, oder sie wurden in eine weitgefasste Familie Melandryidae, oder Düsterkäfer, einsortiert. Ihre Schwestergruppe könnte nach morphologischen Analysen die kleine, nur 6 Arten umfassende Familie Boridae sein, mit den Prostomidae als gemeinsamer Schwestergruppe dieser Klade.

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